Die Luft lag schwer und warm auf der Haut, als hätte der Tag selbst Gewicht. Feuchtigkeit hing zwischen den Garderoben-Haken und sammelte sich unter dem viel zu tiefen Hallendach wie in einem Gewächshaus. In der Garderobe roch es nach nassem Beton, Chlor und aufgeheiztem Holz. Die Hitze flimmerte nur so, und für den Moment wirkte es, als würde hinter der nächsten Ecke etwas lauern – still, verborgen und doch ganz nah. Dennoch marschierte der VBC SWISS zwar mit etwas schweissiger Stirn, aber mit erhobenem Haupt in die Manege vom Urwald – äh, von Urdorf, und erblickte eine grüne Wand. Es wirkte wie giftgrüne Schlingpflanzen an einer Flanke des Dschungels, und erst auf den zweiten Blick war zu erkennen, dass es sich um grün bekleidete Fans vom VBC Limmattal handelte. Trotz der wegen ihrer Höhe erdrückenden Halle und der Niederlage des D2 vom VBC Limmattal gegen den VBC Oerlikon (Props an Chanti & Nora, zwei Spielerinnen aus der Talentschmiede vom VBC SWISS), war die Stimmung bereits angeheizt. Angeheizt deshalb, weil es heute um den wahrscheinlichen Aufstieg des VBC SWISS ging – genau gegen den Gegner, gegen den man in der Hinrunde mit 0:3 abgestürzt war. Zumindest gemäss Matchbericht vom VBC Limmattal, eigentlich war es einfach eine etwas unsanfte Landung, weswegen wir nun eben in dieser feuchten Garderobe gelandet sind.

Nach einem kurzen Warm-Up konnte das Kräftemessen dann auch gleich losgehen. Selbstbewusst, aber doch etwas unter Druck stehende Klotener kämpften sich durch den Dschungel von Urdorf. Phil blieb zu Beginn etwas an den Blöcken der Limmattaler hängen, die sich wie ein Dickicht anfühlten. Es schien, als hätten die Gegner durchsichtige Lianen auf ihrer Feldseite, an welchen sie sich in die Höhe zogen. Und so kam es, wie es kommen musste. Nach dem ersten Satz lag der VBC SWISS 0:1 im Hintertreffen.

Haben wir vor dem Spiel genügend Bananen gegessen, um im zweiten Satz auf Betriebstemperatur zu kommen? Es schien so, denn mit dem Doppelwechsel Jeff & Robbie kam neuer Schwung ins Spiel vom VBC SWISS. So viel Schwung, dass in Satz zwei die Limmattaler wie Kokosnuss-Schiffchen auf dem strömenden Amazonas weggeschwemmt wurden. Herauszustreichen galten die Angriffe von Aussenangreifer Kevin, welcher Mal für Mal locker über das Dickicht von Limmattal hinwegzuschlagen wusste und den Ball dennoch beinahe auf die 3-Meter-Linie versenkte. Er hatte sich an den Urwald von Urdorf bereits bestens akklimatisiert, und sein neuer Bart schien auf die Gegner die Wirkung eines Gorillas zu haben – potent, erwachsen und einschüchternd. Genauso wusste das restliche Team zu überzeugen, so wie Ex-MVP-Limmattaler Kai, der mit grosser Erfahrenheit und Können seine früheren Gspöhnlis in die Schranken wies, da er nun offensichtlich im besseren Team spielte und eine grosse Lücke bei Limmattal hinterliess.

In Satz drei kippte das Ganze dann, entgegen dem Spielverlauf, erneut. Limmattal bäumte sich gegen den VBC SWISS auf, und trotz dichtem Blattwerk fanden sie immer wieder eine Lücke zwischen unseren Blöcken und den Fleckchen Boden, die Libero Dishan ausnahmsweise mal nicht abdeckte. Die Partie fühlte sich an wie ein regelrechtes «Affenfangis». 1-2 hinten nach drei Sätzen. Höchste Zeit, Limmattal in die Schranken zu weisen.

Dies gelang dann auch. Und wie! Mirakulös befreiten sich die Flughafenstädter aus der Umklammerung der Limmattal-Anakonda, die sich plötzlich anfühlte wie eine Umarmung vom Limmattaler Plüschäffchen-Maskottchen namens «Marsupilami», und schickten die Gegner mit Flügeli ins Kinderbecken vom Hallenbad von nebenan. Ungerne möchte ich bereits das Wort meisterlich verwenden, aber der VBC SWISS fand in Satz vier und fünf die richtige Formel, um siegessicher auf die nächsten zwei Punkte zuzusteuern. Nicht zuletzt, weil sie einerseits durch ihre grosse Erfahrung in Dschungeln stets wussten, wie man sich durchs Unterholz schlägt, andererseits, weil sie eine solide mentale Stärke aufwiesen, die sie noch jedes wichtige Spiel in dieser Saison gewinnen liess.

Zurück in der Gaerderobe wirkte plötzlich alles leicht, als hätte sich der Dschungel gelichtet und Platz gemacht für eine ruhige, fast erwartungsvolle Stimmung, als würde schon bald etwas Grosses beginnen. Nach dem Abflug wurde dann auch noch ein Funkspruch über dem Urdorfer Hallenbad abgesetzt: SWISS zu Tower: «Reached cruising altitude again, see some floating players in green and their Marsupilami down there.»

Auuuh,
Manu

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